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Interview
mit Katharine Siegling

Seit 1993 gibt es in Bayreuth das Christliche Centrum Rhema, eine unabhängige, sehr dynamische, christliche Gemeinde mit Pioniercharakter.

Einige neugierige Bayreuther bekamen mit, dass dort ein frischer Wind weht und wollten sehen, was sich dahinter verbirgt. Wir sprachen mit Katharine Siegling, der Pastorin des CCR.

Frau Siegling, Sie sind Pastorin des Christlichen Centrums Rhema. Wie kamen Sie eigentlich dazu, eine Gemeinde zu gründen?

Nun, ich persönlich glaube, dass Gott Humor hat! Er erwählt das, was vor der Welt töricht ist, um die Weisen dieser Welt zuschanden zu machen1 - und das glaube ich wirklich.

Man sagt, Sie hätten ein ungewöhnliches Charisma und würden Menschen durch Ihre Ausstrahlung geradezu magnetisch anziehen. Was meinen Sie dazu?

Charisma ist ja ursprünglich ein biblischer Begriff und bedeutet soviel wie Gnadengabe oder Geschenk. Er wird verwendet im Zusammenhang mit den Gaben des Heiligen Geistes, die aus Gnade gegeben sind. Leider ist der Begriff heute verweltlicht worden und meint etwas anderes. Ich glaube nicht, dass Menschen wegen mir kommen, sondern wegen der Verkündigung des Wortes in der Kraft des Heiligen Geistes. Wenn Menschen versuchen würden, von mir etwas zu bekommen, dann wären sie sehr bald enttäuscht, weil ich selbst ihnen nichts geben kann. Es ist Jesus allein, der ihr Leben verändert. Ich zeige ihnen nur den Weg.

Sie haben das CCR sozusagen aus dem Nichts gegründet. Wie geht denn so was?

Von nichts kommt bekanntlich auch nichts. Man braucht schon einiges, um eine Gemeinde aufzubauen.

Nämlich?

1. Eine göttliche Berufung,

2. Das Wort Gottes und die Salbung des Heiligen Geistes und

3. Gehorsam Gott gegenüber.

Frau Siegling, man sagt, dass Ihre Predigten zwar feurig, aber doch sehr direkt seien, dass Sie Ihr Publikum richtig herausfordern.

Meine Zuhörer sind lebendig. Ich predige nicht für die Toten. Gott ist ein Gott der Lebenden, und wer kann schweigen, wenn er redet? Außerdem: Ohne Herausforderungen kann es kein Wachstum geben.

Es gibt Menschen, die Sie lieben, aber wohl auch solche, von denen Sie gehasst werden. Wie denken Sie darüber?

Jesus sagte folgendes zu seinen leiblichen Geschwistern: Die Welt kann euch nicht hassen. Mich aber hasst sie, denn ich bezeuge von ihr, dass ihre Werke böse sind.2 Ich denke, dass das so richtig ist. Jesus ließ sich nicht von den Gefühlen der Menschen beeinflussen, die sie Ihm entgegenbrachten, ebensowenig wie der Apostel Paulus. Mein Motto ist: Predige ich denn jetzt Menschen oder Gott zuliebe? Oder suche ich Menschen gefällig zu sein? Wenn ich noch Menschen gefällig wäre, so wäre ich Christi Knecht nicht.3 Zu viele bezeichnen sich selbst als Diener Gottes und haben doch kein göttliches Rückgrat - das ist beschämend.

Was ist denn eigentlich nach Ihrem Verständnis ein Christ?

Oh - sind Sie sicher, dass Sie die Antwort haben möchten?

Ja!

Ich beobachte folgendes: Menschen bezeichnen sich heute als Christen, weil sie Mitglieder einer Staatskirche sind und deren vorgeschriebene Rituale mehr oder weniger überzeugt absolviert haben. Im Gegensatz zu den anderen Religionen besteht aber Christsein nicht in der Erfüllung von Gesetzen oder religiösen Vorschriften, sondern in einer lebendigen Beziehung zu dem dreieinigen Gott.

Der Begriff Christ kommt ursprünglich aber aus dem Griechischen und meint Gesalbter oder gesalbt sein. So bedeutet Jesus Christus soviel wie Jesus, der Gesalbte. Ein Christ ist also nach dem Neuen Testament ein "Gesalbter", d.h. ein Mensch, in dem Christus wohnt und durch den er sich offenbaren kann. Für einen Christen ist Jesus der Mittelpunkt seines Lebens. Ein echter Christ ist aus dem Geist Gottes geboren4, nicht aus dem Willen des Fleisches, auch nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren - nur so bekommt er das Recht, ein Kind Gottes zu heißen.5 Ein Christ kennt Jesus, liebt Jesus und folgt ihm. Andere haben nicht das Recht, sich Christen zu nennen.

Ein Christ ist ein Kind Gottes und das betrifft seine Identität. Christsein ist kein religiöses Mäntelchen, das man an- oder ablegen kann, je nach Lage oder Interesse. Für einen Christen ist Jesus Christus das Vorbild schlechthin: Sein Wesen, sein Leben und seine Lehre, die untereinander übereinstimmen. Alle religiösen Lehrmeinungen müssen am Inhalt seiner Aussagen gemessen werden und dürfen nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden. Alles, was Jesus gesagt hat, ist Wahrheit. Was nicht mit dem übereinstimmt oder im Gegensatz dazu steht, ist außerhalb der Wahrheit. Der Gegensatz zur Wahrheit ist Fälschung oder Lüge. So einfach ist das. Jesus sagte zu den religiösen Führern seiner Zeit, die ihn töten wollten, Ihr habt den Teufel zum Vater6, weil sie Lügen äußerten und die Wahrheit nicht in ihnen war. So muss sich gemäß den Aussagen Jesu heute jeder, der die Wahrheit verfälscht und Verleumdungen verbreitet, fragen, wessen Kind er ist.

Das ist harte Rede. Und wer glaubt denn heutzutage noch, dass es einen Teufel gibt?

Nun, fragen Sie das mal einen Satanisten! Heute wird es zwar immer offensichtlicher, dass eine böse, übermenschliche Macht existieren muss, aber prinzipiell haben Sie schon recht. Menschen haben Probleme, die Wahrheit zu akzeptieren. Es gibt heute immer noch Völker, die glauben, dass die Erde eine Scheibe ist und Leute, die glauben, dass ihre Vorfahren Affen waren.

Und was ist mit der Wassertaufe? Werden wir durch sie gemäß den Lehren unseres Katechismus nicht alle zu Kindern Gottes?

Die Gleichstellung der Wiedergeburt bzw. Errettung mit der Wassertaufe ist eine Erfindung der antichristlichen Urreligion von Babylon, die ebenso wie andere Zeremonien von den Staatskirchen unter christlichem Deckmantel fortgesetzt wurde.7

Im 4. Jh. führten sie aus Angst vor Mitgliederverlusten das Ritual ein, Säuglinge mit Wasser zu besprenkeln. Damit sollten bereits unmündige Menschen der Institution einverleibt und eine freie Entscheidung verhindert werden. Mit dem biblischen Begriff der Taufe hat das nichts zu tun.8 Ebenso ohne biblischen Anhaltspunkt ist die Zeremonie der Kommunion bzw. Konfirmation, durch die die Jugendlichen offiziell als mündige Mitglieder in die Amtskirchen hineinmanipuliert werden.

Sind das nicht zu starke Ausdrücke?

Nein, im Gegenteil. Wie viele Kinder und Jugendliche kennen Sie, die gerne in die Kirche gehen und mit Überzeugung das Glaubensbekenntnis beten? Weit über 90 Prozent wenden sich doch nach dem Ritual der Konfirmation und Kommunion mit Recht ab und gehen andere Wege. Den Ritus lassen sie über sich ergehen, weil einerseits sozialer Druck ausgeübt wird und andererseits materielle Geschenke locken.

Das war zwar bei mir genau so, aber ist das wirklich so schlimm?

Das Fatale an der Sache ist, dass die Amtskirchen den Menschen quasi vormachen: Wenn ihr alles so schön mitmacht, wie wir euch das vorschreiben, dann habt ihr eure religiöse Pflicht erfüllt und alles getan, was ihr Gott gegenüber schuldig seid. Den Kirchenschäfchen wird weisgemacht, gerettet zu sein, nur weil sie einmal mit Wasser besprenkelt wurden und das Glaubensbekenntnis bei der Konfirmation mitgemurmelt haben. Und zur Beerdigung soll der Pfarrer, den sie meist nicht mal persönlich kennen und von dem sie in der Regel auch nicht viel halten, noch ein paar fromme Worte am Grab sprechen, damit nichts schiefgeht. Und so überlässt man - was ja schließlich auch bequemer ist - die Verantwortung für den eigenen Glauben der Institution und sagt sich: Der Pfarrer wird's schon wissen, der hat schließlich Theologie studiert.

Durch diese gravierende Irrlehre sind Millionen Deutsche fehlinformiert und auf dem Weg zur Hölle, während sie aber hoffen, nach dem Tod in den Himmel zu kommen. Es ist erstaunlich, mit welcher Naivität sie ihre Seelen an diese Institutionen verkaufen und dafür auch noch viel Geld bezahlen. Und keiner traut sich aufzustehen und ihnen die Wahrheit zu sagen.

Und die wäre?

Dass jeder Mensch bewusst eine persönliche Entscheidung treffen muss, was er mit Jesus Christus macht. Diese Verantwortung kann ihm niemand - und schon gar keine religiöse Einrichtung - abnehmen.

Besonders schwerwiegend ist es, wenn Menschen Gott mit Kirche gleichsetzen. Denn mit dem System und der Theologie der Staatskirche hat Gott nun absolut nichts zu tun! Ein mit antichristlichen Inhalten und Traditionen durchsäuertes Evangelium ist kein Evangelium von Jesus Christus mehr.9

Nun, das behaupten Sie. Aber kann sich eine Institution 2000 Jahre lang geirrt haben?

Warum nicht? Vielleicht sollte man besser sagen: Sie wollen sich irren. Zumal hier auch immer der Gedanke von Macht und Geld eine große Rolle spielt.10

Nun, da wir schon einmal beim Thema Geld sind: Wovon leben Sie eigentlich?

Ich bin von der Gemeinde angestellt. Das CCR lebt ausschließlich von freiwilligen Spenden. Mitgliedsbeiträge oder gar Kirchensteuern gibt es bei uns nicht.

Was sagen Sie, wenn andere das CCR als Sekte bezeichnen würden?

Solche Angriffe sind so alt wie die Christenheit selbst. Bereits der Apostel Paulus wurde als Sektierer verschrien und musste sich vor Gericht rechtfertigen, weil er sich von dem Pharisäertum abwandte und Jesus nachfolgte.11

Heute kommt der Vorwurf ganz gezielt aus den Reihen der Amtskirchen, wo man steigende Austrittszahlen bekämpfen muss und neue Gruppierungen mit Recht als Konkurrenz fürchtet. Gemeinden wie das CCR sprießen heutzutage wie Pilze aus dem deutschen Boden. Ihnen gehört die Zukunft. Sie sind frei und von der Staatskirche nicht kontrollierbar: Neuer Wein gehört in neue Schläuche!

Wie schätzen Sie den religiösen Zustand unserer Stadt ein?

Das Volk lebt in einem religiösen Gefängnis, auch wenn es ihm nicht so recht bewusst ist, weil sie den Geschmack von Freiheit gar nicht kennen. Dieses Gefängnis wird von Wächtern der Staatskirchen überwacht. Das geht sogar so weit, dass bestimmte Berichte in der lokalen Tageszeitung erst nach kirchlicher Zensur veröffentlicht werden dürfen. Einige von den Wächtern sind selbst unglücklich, verbittert und unzufrieden und leben in einem Gewissenskonflikt. Andere haben ihr Gewissen so weit abgestumpft, dass sie nur noch Interesse an Geld - etwa aus Erbschaften älterer Kirchenmitglieder - und ihrer sozialen Stellung haben. Sie üben halt ihren Job aus.

Aber wie kann man so leben?

Weil die Menschen in diesem System seit Generationen gefangen sind. Lügen werden immer knechten und gebunden halten, die Wahrheit dagegen macht frei - wenn sie erkannt wird. Und das ist das Problem, speziell für uns Deutsche: Man denke nur an die Zeit der Inquisition oder das Dritte Reich, wo man lieber die Augen zumachte; ebenso weigert man sich heute, die Wahrheit im religiösen Bereich zu sehen.

Jesus nannte die religiösen Führer und Theologen seiner Zeit einmal blinde Blindenführer und übertünchte Gräber12. Sie sind gleichzeitig Opfer und Täter. Ein Mensch, der sein Leben lang eine Lüge geglaubt hat und in Strukturen von religiöser Irrlehre gelebt hat, ist nicht so einfach bereit, das zu erkennen und vor allem es anderen gegenüber zuzugeben. Und so macht man weiter, als wäre nichts gewesen, als wäre alles in bester Ordnung. Das ist der klassische Fall von Heuchelei.

Sehen Sie eine Lösung für dieses Problem?

Jesus ist gekommen, um die Gefangenen frei zu machen13. Es war nie seine Absicht, eine Staatsreligion aufzubauen. Jesus war weder katholisch noch evangelisch. Und auch im Himmel gibt es keine Denominationen.

Das Leben und das Werk Jesu ist Ihnen offensichtlich sehr wichtig. Warum?

Mit seinem Leben, Tod, seiner Auferstehung und Lehre steht und fällt die Chance, Vergebung von Sünde zu empfangen und gerettet zu werden.

Haben Sie schon immer an ihn geglaubt?

Nein, leider nicht.

Wie kamen Sie dann dazu?

Es war am 1. August 1987. Ich besuchte als kritischer Zuschauer - mein Vorbild damals war Immanuel Kant - eine Veranstaltung auf einer Glaubenskonferenz in München. Damals war ich krank. Ich saß irgendwo auf der Empore, während plötzlich die Kraft des Heiligen Geistes wie eine Wolke auf mich kam. Dann bemerkte ich, dass ich geheilt worden war. Das konnte ich nicht fassen - ich war gewohnt, alles mit meinem Verstand zu beurteilen und rechnete mit allem, nur nicht mit einer göttlichen Wunderheilung. Das war der radikale Wendepunkt in meinem Leben.

Heißt das, Sie wurden geheilt, ohne Glauben gehabt zu haben?

Ja, genau so war es. Der Glaube an Jesus kam erst danach, an diesem Abend. Es war gewaltig. Jesus nahm mein Leben in seine Hand, führte mich zum Vater, offenbarte mir sein Herz, umgab mich mit seiner Liebe. Es ist herrlich, ihn zu kennen und zu lieben!

Ihre Gottesdienste sollen mehrere Stunden lang dauern. Wird es da nicht langweilig?

Im Gegenteil. Wir haben Gottesdienste, die nach sechs Stunden aus sind und die Leute bleiben immer noch da und genießen die Gegenwart Gottes. Selbst die Kinder wollen nicht heimgehen.

Wie ich schon sagte: Gott ist lebendig. Wir erleben ihn. Jeder Gottesdienst ist neu, ist anders. Die Kraft Gottes verändert Menschen, sie werden gerettet, befreit, geheilt und empfangen neue Freude und Kraft. Wir dienen einem wunderbaren Gott, der große Wunder tut!

Frau Siegling, wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

 

 

Anmerkungen:

1 1Kor 1,25-29 (zurück in den Text)

2 Joh 7,7 (Lutherbibel) (zurück in den Text)

3 Gal 1,10 (Lutherbibel) (zurück in den Text)

4 1Petr 1,3.23 (zurück in den Text)

5 Joh 1,12.13 (zurück in den Text)

6 Joh 8,44 (Lutherbibel) (zurück in den Text)

7 Alexander Hislop: Von Babylon nach Rom. Der Ursprung der römisch-katholischen Religion, Bielefeld 1997 (zurück in den Text)

8 Das Neue Testament unterscheidet drei Arten von Taufen:

(zurück in den Text)

9 Mk 8,15 par.; Gal 1,8.9; 5,9 (zurück in den Text)

10 Gerhard Besier: Konzern Kirche. Das Evangelium und die Macht des Geldes, Stuttgart 1997 (zurück in den Text)

11 Apg 24,5.14; 28,22; Phil 3,2-11 (zurück in den Text)

12 Mt 15,14; 23,27 (Lutherbibel) (zurück in den Text)

13 Lk 4,18; Joh 8,36; 2Kor 3,17 (zurück in den Text)